Pressestimmen


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© Badener Tagblatt, 23. Juni 2019

Vocalino singt sich warm für Estland

Der Chor Vocalino Wettingen hat ein estnisch-schweizerisches Programm einstudiert. Aus besonderem Anlass.

Das Konzert am Samstagabend in der Klosterkirche war die Nagelprobe für den weit grösseren Auftritt: in zwei Wochen tritt das Vocalino Wettingen nämlich am Liederfest in Estland auf, das heuer sein 150-jähriges Bestehen feiert – als Schweizer Gastchor unter sagenhaften 30 000 Teilnehmenden.

Das Konzert zusammen mit dem Vokalensemble der Kantonsschule deckte ungeahnte historische Bezüge zwischen der estnischen Chortradition und der Schweiz auf. Unter dem Titel «Laulupidu», zu Deutsch «Liederfest», führte der Dirigent und Musikhistoriker David Rossel souverän durch die Zeitreise, die 1754 im Zürcher Oberland startete. «Das Gebetslied eines Schweizers» (Schmidlin) und die «Ode an Gott» (Tobler) standen am Anfang der Chorbewegung, die im sowjetisch besetzen Estland zur Nationalkultur avancierte. Im estnischen Programmteil zeigte der Chor, was ihn über den Kanton hinaus zu einer gefragten Formation macht. Die Sehnsucht im patriotischen «Isamaale» (Tamgerg), die Hoffnung im feierlichen «Koit» (Lüdig), die Lebensfreude im Hochzeitstanz «Tuljak» (Härma): All das trugen die Sängerinnen und Sänger mit reinem Wohlklang nahtlos bis in die hintersten Reihen der Klosterkirche.

In der Mitte kam das Vocalensemble der Kanti in eingängigen Liedern zu seinem eigenen Auftritt. Der reife und balancierte Klang zeugte vom hervorragenden Musikangebot der Schule, wo auch das Vocalino als Ehemaligen-Chor seine Wurzeln hat. Höhepunkt des Abends bildete die Kantate «Igaviku tuules» des Jungstars Pärt Uusberg, wo traditionelle Klanglandschaften eine tief berührende Wirkung entfalteten. Die Laulupidu-Schlusshymne «Mu isamaa on minu arm» beendete einen dramaturgisch gelungenen Konzertabend. Das Vocalino ist bereit für Estland. (MST)


© Reussbote, 19. Juni 2019

Volsklieder aus Estland und der Schweiz

Das Vocalino Wettingen singt in der Alten Kirche in Wohlenschwil Volkslieder aus Estland und der Schweiz. Ein Leckerbissen für Freunde gepflegter Chormusik.

Das «Laulupidu» (Liederfest) bildet seit 1869 das Rückgrat der estnischen Nation: Alle fünf Jahre treffen sich Hunderttausende Estinnen und Esten, um alten und neuen Volksliedern aus über 30 000 Kehlen zuzuhören und miteinstimmen. Zu Sowjetzeiten wurden sie trotz Verbot als wichtigstes Kulturgut der Bevölkerung gepflegt und während der «Singenden Revolution» 1987-1991 waren sie Ausdruck der Widerstands- und Unabhängigkeitsbewegung.

Vom 4. bis 7. Juli wird das Vocalino Wettingen als Schweizer Gastchor am «Laulupidu» in Tallinn teilnehmen. Dieses Ensemble ist am Mittwoch, 26. Juni, in der Alten Kirche Wohlenschwil zu Gast. Zu Beginn des Programms stehen ausgewählte Schweizer Volkslieder – bekannte und vergessene – für die gemeinsame Geburtsstunde der Chorkultur in Estland und der Schweiz. Einen Kontrast dazu bilden die estnischen Volkslieder, die das Vocalino Wettingen am diesjährigen «Laulupidu» singen werden. Sie zeigen das von der Unesco anerkannte Kulturerbe, das Tradition mit Innovation verbindet und heute als Inspiration für unser eigenes Volksliedgut dient.

Das Vocalino Wettingen gastiert zum ersten Mal in Wohlenschwil. Der 2005 gegründete Ehemaligenchor der Kantonsschule Wettingen besteht zurzeit aus 22 Mitgliedern mit musikalischer Vorbildung und verspricht, das Publikum mit gehobener Chorkultur zu verwöhnen. Chorliteratur aus allen Epochen – insbesondere solche der alten Musik sowie zeitgenössische Werke – bilden die Konzertprogramme, mit denen der Chor regelmässe im Kanton Aargau sowie zuletzt auch in Basel und Chur aufgetreten ist.

Beginn des Konzertes ist am 26. Juni um 20.15 Uhr, Abendkasse und kleine Weinbar ab 19.15 Uhr. Billett-Reservationen unter ticket@kultur-wohlenschil.ch oder jeweils ab 17 Uhr über Telefon 079 719 05 01. (zVg)


© Aargauer Zeitung, 10. Juni 2018

Ein aussergewöhnlicher Chor in der Klosterkirche

Das Vocalino präsentierte sein Programm in der Klosterkirche.

Das Violoncello kommt der menschlichen Stimme am nächsten: Das sagen nicht nur Musiker, sondern auch Zuhörer, die sich von dem ebenso kernigen wie zarten Klang dieses Instruments berühren lassen - so, wie am Wochenende in der Klosterkirche Wettingen. Dort spielte das Cello die zweite Hauptrolle neben der menschlichen Stimme in einem denkwürdigen Konzert, zu dem das Vocalino (Ehemaligenchor der Kantonsschule Wettingen) eingeladen hatte.

Das unter dem russischen Titel «Svyati» stehende Programm des Dirigenten David Rossel war anspruchsvoll - entsprechend den Gepflogenheiten des mit 22 Sängerinnen und Sängern besetzten Ensembles. Die Werke von John Tavener, Gion Antoni Derungs, Pavel Chesnokov und Ola Gjeilo - lauter Komponisten des 20. und 21. Jahrhunderts - kreisen um den Tod, vielmehr um die Frage, ob es ein Leben danach gibt. Verinnerlichung und Konzentration auf knappe, dafür umso stärker nachhallende musikalische Mittel stehen gleichsam als ungeschriebenes Motto über den Stücken für Chor und Violoncello (wann hört man diese Kombination schon?)

Nicht effekthascherisch

Das Verweben von Cello- und Gesangsstimme ist jedoch nicht die einzige Besonderheit. Die andere ist die Verknüpfung von Derungs Missa pro defunctis mit Sculthorpes Requiem for cello alone: welch eine sinnstiftende Dramaturgie. Schweigt der Chor, setzt das Cello mit einer getragenen, herben Klage ein, die sich nur einmal, beim Libera me, eruptiv aufbäumt. Mit einer sich von Ton zu Ton tastenden Celloweise hatte bereits das erste Stück, John Taveners Svyati, begonnen. Ein berührender Auftakt, da zu erleben war, wie ein Klang nicht abrupt, sondern gleichsam von langer Hand vorbereitet, an die Ohren drang. So eindringlich das Spiel des Cellisten Martin Merker; so empfindsam, durchsichtig und kraftvoll (Gjeilo) war der Gesang des Vocalino, dessen Sängerinnen und Sänger: das war effektvoll, aber nicht effekthascherisch, sondern Ausdruck eines in jeder Beziehung klug «komponierten», erlesenen Konzertabends.

Das Vocalino wiederholt sein Programm am Samstag, dem 16. Juni bei einem Nachtkonzert mit Lichtkunst in der Klosterkirche Königsfelden; Beginn ist um 21.30 Uhr.


© reformiert., 20. November 2017

Himmelslichter im Advent

CHORKONZERT

Das Vocalino Wettingen führt unter der Leitung seines 29-jährigen Dirigenten zwei Weihnachtskonzerte unter dem Titel “Himmelsliechter” auf. Die 22 jungen Sängerinnen und Sänger singen Stücke dreier zeitgenössischer Schweizer Komponisten.

Konzentriert verfolgen 22 junge Sänger des Vocalino Wettingen die fliessenden Gesten des Dirigenten David Rossel. Sorgsam gestalten sie Bögen, Phrasierungen und Akzente. Immer freitags trifft sich der Chor für zwei Projekte pro Jahr im Kapitelsaal des Klosters Wettingen zur Probe. Den Schauplatz kennen die Mitglieder in- und auswendig, da sie die Kantonsschule besucht haben. Chormusik nimmt dort eine zentrale Stellung ein. 2005 gründete der damalige Schulmusiker Stefan Müller ein semiprofessionelles, später auf fortgeschrittene Laien ausgerichtetes Ensemble. Seit zwei Jahren steht nun der 29-jährige Basler David Rossel einem Chor vor, der alte und zeitgenössische Musik pflegt und der am diesjährigen Chortreffen in Litauen mit einem dritten Platz belohnt wurde.

Erprobter Chordirigent

Der Musikwissenschaftler Rossel sprüht vor Energie, wenn er dem Chor Werke eloquent erläutert und ihn mit profunder Kenntnis und Leidenschaft mitreisst. Im Raum Basel ist er ein langjährig erprobter Chordirigent. 2015 bewarb er sich erfolgreich in Wettingen. Ihn reizte die Aufgabe, mit einem Chor zu arbeiten, der nie Nachwuchssorgen hat und Profisänger wie Daniel Pérez und Dino Lüthy auf die Weltbühnen entliess.

Im Dezember tritt das Vocalino in Wettingen und Kirchdorf mit den Werken dreier zeitgenössischer Schweizer Komponisten auf. Das Programm “Himmelsliechter” umfasst Stücke von Adolf Brunner, Gion Antoni Derungs und Ernst Pfiffner. Rossel versteht sie “als eine Aufforderung an den Chor und ans Publikum: ‘Erfrischt euch, springt ins kalte Wasser.’” Wohlig einnisten kann man sich in den Werken nicht auf den ersten Taktschlag. Dafür öffnen sich die Ohren für eine Musik, die wie beim Kirchenmusiker Pfiffner “die Dur-Moll-Tonalität reizvoll erweitert” und bei Brunner auf den Spuren der Komponisten Willy Burkhard und Hugo Distler wandelt. Brunner, so Rossel, sei ein besonderer Mensch gewesen. “Der Gründer der Radiosendung ‘Echo der Zeit’ war politisch tätig und widmete sich nach seiner letzten Komposition 1971 nur noch der Philosophie.”

Suche nach Licht

Auch Derungs ist für Rossel ein Herzensanliegen: “Sein Stil erinnert an eine südländische Sprache, die Musik ist runder und dunkler, die Harmonien dennoch wärmend.” Die Musik, die von ihm zu hören sein wird, verweist auf den Tod. “Jeder Mensch muss einmal Abschied nehmen, und wir alle sind uns dessen bewusst. Manchmal ergreift mich beinahe eine tiefe Angst vor diesem Übergang, vor diesem Weggehen”, sagte Derungs einmal. Ob er sich für dieses Weggehen ein Licht gewünscht hätte? Wohl nicht umsonst heisst es in den Anmerkungen zum Vocalino-Programm: “Den Menschen drängt es stets zum Lichte.”


© WochenBlatt, 15. Dezember 2016

Ein feuriges Zusammenspiel

Der Cäcilienchor Aesch und das Vocalino Wettingen konzertierten in der Kirche Aesch vor vollen Rängen. Klassische und zeitgenössische Werke standen auf dem Programm.

In ihm musste ein Feuer brennen. David Rossel dirigierte sich förmlich in Ekstase, als er am Sonntagabend seine Komposition “Magnificat” zum Klingen brachte. Das Werk für Chor, Alt-Solo, Streicher, Harfe und Orgel fesselte durch furiose Rhythmik und gleichermassen eingängige wie modal verwegene Melodien. Der Cäcilienchor Aesch und das Vocalino Wettingen meisterten die Uraufführung dieses Meisterstücks grandios. David Rossel ist Dirigent beider Chöre und hat diese in Aesch zusammengeführt. Der gesetzte Cäcilienchor und das jugendliche Vocalino Wettingen - das war auch eine Begegnung der Generationen. Das Zusammenspiel der beiden Formationen funktionierte, wie ebenfalls Joseph Haydns “Kleine Orgelsolo-Messe” zeigte.

Überdies traten die Chöre einzeln auf. Die Wettinger Gäste gaben Michael Haydns “Adventsgradualien” und Rudolf Mauersbergers “Vaterunser” zum Besten. Dieses hymnische Werk sorgte dank dem überaus reinen Klang und der agogisch und dynamisch differenzierten Darbietung allenthalben für Gänsehaut. Der Cäcilienchor Aesch brachte Michael Haydns “Weihnachtsresponsorien” zur Aufführung.

Die Chöre wurden souverän begleitet von Lysiane Salzmann (Orgel) und einem Instrumentalensemble. In den Solistenrollen glänzten Lea Meyer (Sopran) mit feiner Brillanz und Dina König (Alt) mit samtigem Wohlklang.


© Aargauer Zeitung, 07. Dezember 2016

Diese Weihnachtsmusik kennt keine Glaubensgrenzen

WETTINGEN Der jugendliche Chor « Vocalino Wettingen» besingt im weihnachtlichen Festkonzert «in terra pax» den Frieden auf Erden.

«In terra pax» – so sollen die Engel die Geburt Jesu besungen haben. Und ebenso heisst das neue Programm des Chors für Laiensänger « Vocalino Wettingen» – zu Deutsch: Friede auf Erden, welches am Samstag in der Aula des Kloster Wettingens zu hören sein wird. «Dieser Wunsch ist es auch noch heute, der uns jedes Jahr zur Weihnachtszeit von neuem begleitet», so David Rossel, musikalischer Leiter und Dirigent des Chors.

Die besagte Engelsbotschaft findet sich im «Gloria» aus dem Messtext. Der « Vocalino Wettingen» stellt zwei solcher Vertonungen gegenüber: Hymnische und sanfte Klänge dominieren in Alexander Gretchaninovs «Missa festiva», während sich Joseph Haydns berühmte «Kleine Orgelsolo-Messe» durch einfache Eleganz auszeichnet.

Den Rahmen des Konzerts bildet Musik aus dem 20. und 21. Jahrhundert. Denn der Chor legt nicht nur besonderen Wert auf die Pflege alter Musik, sondern setzt auch auf zeitgenössische Werke. Wobei das Programm mit dem «Vaterunser» von Rudolf Mauersberger beginnt. Für Rossel ein echtes Kronjuwel: «Der Aufbau vom düsteren Männergesang zum achtstimmigen Hymnus ist magistral und garantiert Gänsehaut», schwärmt der 28-Jährige. Das Konzert beschliesst die Uraufführung des «Magnificat» vom Dirigenten selbst. Rhythmische Kühnheit und eingängige Melodien prägen dieses Werk.

Der Ehemaligenchor der Kantonsschule Wettingen steht aber nicht allein auf der Bühne: In klassischer Streichtrio-Besetzung und um Harfe und Orgel ergänzt, jubilieren Altistin und Chor in energischem musikalischem Dialog.

Was aber, wenn einem die geistliche Botschaft von «Friede auf Erden» nichts zu sagen vermag? Rossel: «Musik kennt keine Glaubensgrenzen. Die Weihnachtszeit ist auch ohne Besuch der Mitternachtsmesse ein Höhepunkt unseres Familienlebens.»


© Aargauer Zeitung, 26. April 2016

Vocalino fesselt mit Melancholie

WETTINGEN Jungchor entführte zusammen mit dem neuen Dirigenten David Rossel durch die romantische Klangwelt in den hohen Norden.

Der aufstrebende Jungchor Vocalino und ein zünftiges Ensemble sorgten bei ihrem Konzert für marianische Gesänge und gregorianische Anklänge. Violine und Solo-Violoncello setzten dabei eigene Akzente. David Rossel führte bei seinem ersten Projekt die Werke des Nationalkomponisten Edvard Grieg vor. Diese wurden mit moderat modernen Harmonien verbunden und schlugen somit Brücken zwischen den beiden Teilen.

Gefühlvolle Klänge Die Werkauswahl stand ganz im Zeichen der Harmonie und der Melancholie. Trotzdem liess sie aber ein dramatisches und fesselndes Gefühl im Publikum zurück. Intensiven Hörgenuss bescherten Kompositionen wie «Ubi Caritas I und III» und «4 Grieg-Romanzen», die vom Ensemble Vocalino mit erstaunlicher Feinheit geformt wurden. Sinfonien von Komponisten wie Ola Gjeilo und Knut Nystedt wurden interpretiert. Martin Merker, der Solo-Violoncello-Musiker, gab gefühlsvolle und mitreissende Klänge von sich. Die Gesangstimmen vom Jungchor waren klar und bewegend.

Ein Abend voller Begeisterung Die Klosterkirche bot für dieses Hörerlebnis den idealen Klangraum. Diesen nutzte das Vocalino Wettingen mit ausserordentlichen Formationen. Dabei sangen sie sich quer durch den hohen Norden. Die passende Umsetzung der jungen Musiker war imposant, nicht zuletzt durch die raffinierte Leitung von Rossel, der das Ensemble vom Dirigierpult aus zusammenhielt.

Ein beachtenswerter, musikalischer Abend, der dem Publikum die Vielfalt und Schönheit der modernen klassischen Musik näher brachte. Gegen Ende der Aufführung spürte man die Begeisterung des Publikums, von allen Seiten wurde lebhaft applaudiert.


© Limmatwelle, 21. April 2016

Jungchor Auf Nor-Wegen

Der Jungchor Vocalino Wettingen tritt am 23. April in der Klosterkirche auf. Zu hören sein werden Werke von Grieg, Nystedt, Kverno, Paus und Gjeilo.

Der Jungchor Vocalino Wettingen begibt sich in den hohen Norden und erkundet auf sprichwörtlichen «Nor-Wegen» das vielfältige Schaffen norwegischer Komponisten.

Die weit verflochtenen Wege führen zunächst durch die romantische Klangwelt des Nationalkomponisten Edvard Grieg, in originaler Form, oder durch Knut Nystedt, meisterhaft für Chor bearbeitet. In steigenden Pfaden trifft man unterwegs auf marianische Gesänge, die in Nystedts Stabat-mater-Vertonung für Chor und Solo-Cello gipfeln.

Ruhende Eck- und Mittelpunkte im Programm bilden Intermezzi für einen bis vier Streicher von Marcus Paus sowie die drei Ubi-caritas-Vertonungen des gefeierten Jungkomponisten Ola Gjeilo; sie verbinden gregorianische Anklänge mit moderat-modernen Harmonien und schlagen somit Brücken zwischen den beiden Teilen.


© Aargauer Zeitung, 17. Juni 2015

Junge Freude an alten Klängen

WETTINGEN Das Vocalino Wettingen feiert sein 10-jähriges Bestehen mit einer Madrigaloper

Wenn sich junge Menschen am Freitagabend nicht im Club, sondern im Kloster treffen, wenn nicht Pop, sondern gepflegte klassische Musik angesagt ist – dann ist die Rede vom Phänomen Vocalino Wettingen, das heuer sein zehnjähriges Bestehen feiert. 2005 vom Musiklehrer Stefan Müller gegründet, hat sich das damalige semiprofessionelle Ensemble zu einem Ehemaligen-Chor der Kantonsschule Wettingen entwickelt, dem laufend neue Schüler und Studenten beigetreten sind. Fast alle genossen sie die aussergewöhnlich profunde Musikausbildung der Kantonsschule Wettingen, was der Qualität des Chors zugutekommt.

Junge singen alte Musik

Der Heimat im Kloster ist das Vocalino treu geblieben, ebenso der Literaturauswahl, die sich besonders für einen schlanken, jugendreinen Chorklang eignet. Als einziger Jungchor weit und breit führt das Vocalino zumeist alte Werke auf. Ganz in dieser Tradition steht das Jubiläumsprogramm im Rahmen der Wettinger Sommerkonzerte: «L’Amfiparnaso - Comedia Harmonica» von Orazio Vecchi aus dem 16. Jahrhundert. Die vielleicht erste Oper aller Zeiten, zusammengesetzt aus fünfstimmigen Madrigalen, erzählt eine Liebeskomödie.

Ein kleines Orchester begleitet den Chor, zwei Schauspielerinnen mimen die Handlung. Unterhaltung sei garantiert, sagt der musikalische Leiter Fernando Scarabino. Er freut sich auf die Konzerte: «Das Werk passt ausgezeichnet zum Vocalino», schliesslich sei es voller Witz und Leidenschaft, genauso wie der junge Chor.

Der Vocalino-Geist lebt

Die gemeinsam erlebte Freude an der Musik verbindet die Vocalino-Mitglieder dergestalt, dass die Freitagabende meist nicht mit der Chorprobe zu Ende gehen. Nach dem Üben ziehen die jungen Sängerinnen und Sänger jeweils weiter nach Baden und feiern in einer gemütlichen Bar zusammen in die Nacht, wobei dann und wann auch eine Phrase nachklingt. Das ist der Geist des Vocalino – seit nunmehr zehn Jahren.


© Aargauer Zeitung, 08. Mai 2014

Mit 79 Jahren so jung wie nie zuvor

WETTINGEN Die Besucherzahlen der Sommerkonzerte sind in den letzten Jahren stetig angestiegen – auch dank Schülern und Studenten.

Der 1935 gegründete Konzertzyklus blüht in seinem stolzen Alter so richtig auf: Die Wettinger Sommerkonzerte verzeichneten letztes Jahr mit über 2000 Eintritten einen Besucherrekord. Die Zahlen konnten innert fünf Jahren verdreifacht werden, im jungen Segment sogar vervierfacht. Die konzeptuelle Änderung, in jedes Konzert Schülerinnen und Schüler der Kantonsschule Wettingen einzubinden, trägt Früchte.

Junge eingebunden und begeistert

«So konnten wir junge Leute für Konzerte aller Stilbereiche begeistern», freut sich Renate Steinmann, Präsidentin der Wettinger Sommerkonzerte. «Die unvergesslichen Begegnungen von Profis mit wissbegierigen und risikofreudigen Jugendlichen machen den Zyklus aktuell und lebendig.» Die Rechnung scheint aufzugehen: Die begeisterten Jungakteure rekrutieren viel Publikum. Das Konzerterlebnis im unersetzlichen Live-Ambiente fernab vom Downloadfieber sei für alle Generationen wertvoll, wie Renate Steinmann sagt. Zum Erfolg beigetragen haben dürfte auch der radikale Entscheid, an sämtlichen Konzerten Gratis-Eintritte für Schüler und Studenten anzubieten.

Mit über 100 Jugendlichen auf der Bühne feiern die Wettinger Sommerkonzerte denn auch den Besucherrekord. Carl Orffs epochales Meisterwerk « Carmina Burana» wird mit dem grossen Chor der Kantonsschule Wettingen und dem jungen Ehemaligen-Chor Vocalino Wettingen aufgeführt. Laut dem musikalischen Leiter Cristoforo Spagnuolo eignet sich das Werk vorzüglich für die Jungmannschaft: «Eine derart energiegeladene Musik voller zündender Melodien, rhythmisch effektvollen Chorsätzen, dazu die Freude am Gelage und erwachende Frühlingsgefühle – dies alles lässt uns eine völlig andere Welt betreten, die uns alle jung fühlen lässt.»

Zudem freue er sich riesig, im Vocalino Wettingen seine ehemaligen Schüler wieder zu treffen: «Meisterwerke aufzuführen ist vergleichbar mit einer Bergbesteigung, auf die man sich nur bei gegenseitigem Vertrauen einlässt. Oben angelangt, ist es ein Geschenk, die Glücksgefühle mit bekannten Gesichtern wieder teilen zu dürfen.» Das Mitwirken des Vocalino Wettingen sei aber auch musikalisch eine Bereicherung, da das Chorwerk einen stimmgewaltigen Klangkörper erfordere.


© Aargauer Zeitung, Donnerstag, 19. Dezember 2013

Weihnachtliche Freude in allen vier Landessprachen

WETTINGEN Der Chor Vocalino singt Schweizer Weihnachtskompositionen - vom Mittelalter bis heute.

Die Weihnachtsgeschichte für einmal nicht mit “Stille Nacht” und “Jingle Bells” erzählt - der Chor Vocalino Wettingen setzt auf wenig bekannte und längst vergessene Werke, auf ein richtig innovatives Programm. Fröhlich, Antognini und Rütti sind nur ein paar Namen. Die jungen Sängerinnen und Sänger unternehmen eine über 1000-jährige Reise durch die Schweizer Weihnachtskompositionen. Angefangen mit einem gregorianischen Choral vom St. Galler Mönch Notker Balbalus: “Natus ante saecula dei filius” entstand im tiefen Mittelalter. Die Renaissance vertritt Ludwig Senfl mit seiner Weihnachtsmotette.

Weihnachten mit Zwyssig

Auf das barocke “Ave Maria” von Johann Melchior Gletle folgt der Sprung in die Romantik. Hier erklingt ein grosser Name: Alberich Zwyssig, Pater im Kloster Wettingen und Komponist des Schweizerpsalms. Letzteren komponierte er genauso anno 1835 wie das an den Vocalino-Konzerten erklingende “Komm hernieder”, ein rührendes Gruadale auf die Heilige Nacht, auf die Geburt Jesu. “Die Harmonien in diesem Stück sind sehr ausgeklügelt, sie orientieren sich stark am Inhalt”, stellt der Dirigent Fernando Scarabino fest, wie er in der Partitur blättert. Diese zeigt: Wo die Herbeirufung des göttlichen Kindes noch im warmen, harmonisch stabilen Des-Dur steht, wandeln sich im Mittelteil Inhalt wie Harmonie in ein “Tränental” in fis-Moll, wo “alles schmachtet”, vor Schmerzen seufzt und ächzt.

Alle Landessprachen

Weniger komplex, aber nicht minder schön zu hören, sind die Tessiner Hirtenlieder. Sprachgeografisch unweit und hypermodern präsentiert sich schliesslich das rätoromanische “Glisch Nuviala” im zeitgenössischen Block. Die französische Schweiz vertritt Frank Martin, womit es an den Konzerten alle vier Landessprachen zu hören gibt. Es ist das erste Vocalino-Programm unter Fernando Scarabino. Sein Vorgänger Daniel Pérez hat sein Musikstudium in Berlin fortgesetzt.


© Aargauer Zeitung, Montag, 24. Juni 2013

Ein harmonisches Duell

WETTINGEN Stimmen der beiden regionalen Chöre füllten die Klosterkirche aus

“Meine Grundidee war es, die Akustik der Kirche möglichst umfänglich auszunutzen”, erklärt Daniel Pérez. Die leidenschaftliche Energie, die der 24-jährige Dirigent während des Konzerts an den Tag gelegt hatte, ist einige Minuten nach dem Auftritt noch nicht abgeklungen. So scheint der Puls immer noch zu rasen, während das Lachen auf seinem Gesicht absolute Zufriedenheit ausstrahlt. Zwei Chöre, zwei Dirigenten und zwei Organisten - mit diesem Konzept wollten Pérez und Martin Hobi die Klosterkirche Maris Stella zum Klingen bringen.

Ein Abend der Kontraste

Während Hobi mit dem “Badener Vokalensemble” einen erfahrenen, altbekannten Chor an der Hand führt, überzeugt das “Vocalino Wettingen” des Spreitenbachers Pérez mit jungem Elan. “Wir sind keine Konkurrenten, im Gegenteil - wir spornen uns gegenseitig zu Höchstleistungen an”, sagt Pérez über diese Zusammenarbeit. Diese Höchstleistung bekam das Publikum von allen Seiten zu hören. Von links, rechts und vorne erschallte Domenico Gabriellis “Plaudite” während Hobi im Mittelgang mit Ruhe und Präzision dirigierte. Nicht nur die gewählten Werke führten zu Sprüngen in der zeitlichen Dimension, die Sängerinnen und Sänger legten auch räumliche Distanzen zurück. So stand einmal das “Vocalino Wettingen” zwischen den geöffneten Toren des Kirchenvorraums, zuweilen ihr Gegenpart am anderen Ende des Raumes sang. Ein ganz besonderer Moment bot Benjamin Brittens “Hymn to the Virgin”. Während Pérez’ Chor vor dem Publikum singt, erschallt ungesehen aus dem hinteren Teil des Kirchenschiffs, die sanfte Antwort des “Badener Vokalensemble”.

Neue Horizonte für das Orgelspiel

Trotz der häufigen Wechsel von Position und Dirigent kam in keinem Moment ein chaotischer Eindruck auf. Der Balanceakt zwischen Gegeneinander und Miteinander, Wort und Klang, Barock und Romantik ist gelungen.

Während für Pérez der Auftritt im Rahmen der Wettinger Sommerkonzerte auch gleichzeitig sein letztes Projekt mit dem “Vocalino Wettingen” war, wurden an der Orgel hoch oben auf der Empore neue Werke geboren.

Der Organist Stefan Müller hat eigens für dieses Konzert drei Stücke geschrieben, die am Freitag ihre Uraufführung erlebten. Der Komponist räumte die konservative Vorstellung des Orgelspiels beiseite und schuf Platz für neue Horizonte. “Ich hoffe, dass die Leute diese speziellen Intervalle als neues Erlebnis wahrnehmen”, sagt Müller. “Die Orgel hat heutzutage ja schon beinahe wieder etwas Exotisches.”

Neben Müller begleitete auch der angesehene, österreichische Organist Johann Sonnleitner die Chöre. Und während Pérez und die Sänger zum Schluss noch eine emotionale Zugabe zum Besten gaben, liessen es sich die beiden Organisten nicht nehmen, zusammen in den Gestühlen der Kirche die letzten Klänge zu geniessen - vereint in harmonischer Gegensätzlichkeit.


© Aargauer Zeitung, Montag, 21. Juni 2013

Zwei Chöre singen sich gemeinsam durch die Geschichte der Musik

WETTINGEN Vocalino Wettingen und Badener Vokalensemble nutzen die Akustik der Klosterkirche für ihr Chorkonzert.

Ein aufstrebender Jungchor und ein gestandenes Ensemble geben sich ein Rendezvous. Das Bild lässt aufhorchen: Im linken Seitenschiff haben sich jugendliche Sänger aufgestellt, im rechten reifere Semester. Wie beidseits Dutzende Stimmen erklingen, findet sich der Zuhörer im Hauptschiff eingehüllt in eine überwältigende Klangfülle. Verzückt horcht er dem Dialog, dem Echo.

Meisterwerke programmiert

Die beiden Formationen passen ausgezeichnet zusammen, schlanke schöne Stimmen und reine Intonation allenthalben. Die Klosterkirche bietet den idealen Klangraum. Die Akustik nutzen das Vocalino Wettingen und das Badener Vokalensemble an ihrem gemeinsamen Konzert mit überraschenden Aufstellungen. Dabei singen sie sich quer durch die musikalischen Epochen und quer durch Europa. Gemeinsam ist den Kompositionen eines: Sie wurden eigens für Doppelchor geschrieben. “Wir präsentieren die grössten Meisterwerke der Doppelchor-Literatur”, freut sich der Dirigent des Badener Vokalensembles, Martin Hobi (vorne rechts).

Die Reise beginnt beim Italiener Gabrielli, führt über den Deutschen Mendelssohn Bartholdy, um beim Engländer Benjamin Britten zu enden - sie führt also vom Barock über die Romantik bis ins 20. Jahrhundert. Ebendiese verschiedenen Epochen stellt die Chöre vor grosse Herausforderungen: “Das romantische Singen ist ein ganz anderes als das barocke”, gibt Daniel Pérez (vorne links), Dirigent des Vocalino Wettingen, zu bedenken. In der Romantik dominiere der breite Klang, das Legato, der Barock indes lebe von einer Agilität, von entlasteten Tönen.

Von allem zweierlei

Die beiden musikalischen Leiter Hobi und Pérez geben alternierend den Takt an. Die einen Stücke ertönen so nach Hobis, die andern nach Pérez’ Interpretation. “Die Zusammenarbeit ist sehr inspirierend”, schwärmen sie unisono. Wenngleich ein kompetitives Moment mitspielen soll: “Die Chöre motivieren sich gegenseitig zu Höchstleistungen”, erklärt Hobi und schmunzelt: “Damit etwas Spezielles passiert, braucht es immer zwei”.

Zu zweit zeigen sich auch die Orgel-Koryphäen Stefan Müller und Johann Sonnleitner. Sie spielen zwischen den A-cappella-Werken musikalische Kontraste auf zwei Orgeln, die speziell für dieses Programm komponiert wurden. Das Programm der Wettinger Sommerkonzerte heisst “Zweierlei”.


© Aargauer Zeitung, Montag, 17. Dezember 2012

Chor und Gäste sangen gemeinsam: “Das isch de Stärn vo Bethlehem”

WETTINGEN Mit dem neuen musikalischen Leiter Daniel Pérez beschreitet das Vocalino neue und alte musikalische Wege. Zu den neueren gehört sicher das Eröffnungsstück “A Ceremony of Carols” von Benjamin Britten aus dem Jahr 1942. Der englische Komponist verknüpft in seiner Rückbesinnung auf die Familienweihnacht allerdings selbst auch alte gregorianische mit modernen Elementen unter Verwendung der mittelenglischen und der lateinischen Sprache.

Die elf Sätze wurden nur von Kathrin Bertschi auf der Harfe begleitet, deren Klänge die zahlreich erschienenen Zuhörerinnen und Zuhörer verzauberten. Vor allem beim Satz “Interlude” für Harfe solo konnte die Harfenistin die Bandbreite an Dynamik ihres Instruments ausschöpfen.

Musikalische Weihnachten

Die Sopranistin Seraina Perrenoud und der Chor trotzten derweil dem nicht sehr sängerfreundlichen Klima in der Aula. Mit schönem, ausgewogenem Klang versetzten sie das Publikum in weihnachtliche Stimmung. Das kurze Stück “O Magnum Mysterium” von William Byrd - in absoluter Präzision - und das traditionelle und bekannte Weihnachtslied “Es ist ein Ros entsprungen” folgten vor dem rein instrumentalen Block mit einzelnen Sätzen aus der Weihnachtssinfonie des italienischen Komponisten Gaetano Maria Schiassi sowie der Sinfonia Pastorale des Böhmen Johann Stamitz. Das eigens für das Projekt zusammengestellte Ensemble aus Profimusikern entführte die Zuhörer zusammen mit Stefan Müller am Cembalo und an der Orgel in die musikalische Welt des Barock.

Das traditionelle Weihnachtslied “Stille Nacht” wirkte nach diesem Feuerwerk fast ein bisschen fehl am Platz. Dafür konnten alle Beteiligten beim folgenden “Laudate pueri Dominum” nach dem Psalm 112 von Georg Friedrich Händel wieder aus dem Vollen schöpfen. Vor allem das werkbeschliessende “Gloria Patri” mit einem vollen Chorklang und den perlenden Koloraturen der Sopranistin wurde zum absoluten Hörgenuss.

Das Werk vermochte denn auch das Publikum etwas aus den Reserven zu locken. Ãœbte sich dieses während des Konzerts sehr in Zurückhaltung, wollte der Applaus nach dem Schlussstück fast nicht mehr enden.

Zum stimmungsvollen Abschluss eines absolut gelungenen Konzerts sang der Chor zusammen mit den Zuhörerinnen und Zuhörern “Das isch de Stärn vo Betlehem” aus der Zeller-Wiehnacht von Paul Burkhard.


© Limmatwelle, Donnerstag, 13. Dezember 2012

Festliches Konzert mit dem Chor Vocalino Wettingen

Der Spreitenbacher Jungmusiker Daniel Pérez dirigiert sein bisher grösstes Konzert

Im bekannten Shoppi-Hochhaus aufgewachsen, liess sich der heute 24-Jährige nach der Matur zum Bariton und Gesangpädagogen ausbilden. Nebenher leitete er diverse Chöre. Als Dirigent steht er nun vor seiner bisher grössten Herausforderung.

Der junge Chor Vocalino Wettingen, den Pérez vor einem Jahr übernommen hat, führt ein vielschichtiges Weihnachtskonzert auf. “A Ceremony of Carols” von Benjamin Britten und “Laudate pueri Dominum” von Georg Friedrich Händel feiern Weihnachten stilistisch und inhaltlich auf ganz andere Weise. Zum Einsatz kommen Harfe, Solosopran und ein kleines Orchester. Daniel Pérez verspricht ein festliches Konzert, das zur stillen Jahreszeit in familiärem Rahmen Zuversicht vermittelt. Im Zentrum steht das Kind: Jesus Christus, dessen Geburt gefeiert wird, und ebenso die Kinder dieser Welt. Auch auf traditionelle Weihnachtslieder müssen die Besucherinnen und Besucher nicht verzichten.

Für Daniel Pérez bedeuten beide Aufführungen, Wettingen und Spreitenbach, Heimspiele. “In meinem Heimatort ein Konzert zu geben, war schon immer mein Traum”, schwärmt der Spreitenbacher. Wettingen ist für ihn während der Zeit an der Kantonsschule zur zweiten Heimat geworden: “Mit den meisten Sängerinnen und Sängern des Vocalino Wettingen sang ich im grossen Chor der Kanti”, erzählt Pérez, “mit ihnen dieses familiäre Weihnachtskonzert zu bestreiten, freut mich ganz besonders.”


© Rundschau, Donnerstag, 3. Mai 2012

Junger Chor - Alte Musik

Vocalino erfolgreich neugestartet

WETTINGEN Der Jungchor Vocalino Wettingen präsentierte sich am Konzert “Come, ye Sons of Art!” neu. Es war der erste Auftritt als Ehemaligen-Chor der Kanti Wettingen. Der Unterschied zu früher: Keine Profimusiker mehr, dafür mehr Sängerinnen und Sänger - und ein neuer Dirigent.

Erstmals führte der 23-jährige Bariton Daniel Pérez die Formation für fortgeschrittene Laien. Das Konzept fand Anklang: Die Besucherschaft besetzte die Wettinger Klosterkirche bis auf den letzten Platz, einige Damen und Herren mussten sogar stehen. So viele Besucher konnte das Vocalino Wettingen in seiner bisherigen Geschichte nie verzeichnen.

Eindringlich und differenziert

Nach einem fulminanten Start ab der Orgelempore mit modernen Stücken trug der Chor Madrigale vor. Es handelt sich dabei um ein halbes Jahrtausend alte Werke, die inhaltlich in keiner Weise an Aktualität verloren haben - denn sie thematisieren menschliche Gefühle. Ebendiese Gefühlswelt vermittelte das Vocalino Wettingen, zeitweise mit Lautenbegleitung, sehr eindringlich und differenziert. Vom Pianissimo bis zum Fortissimo präzise und mit vollstem Engagement, welches auch Daniel Pérez ausstrahlte. Er glänzte in seiner Rolle als musikalischer Leiter wie ein gestandener Profi: stilsicher, kompetent, selbstbewusst. Daniel Pérez studiert derzeit Gesangspädagogik und Dirigieren an der Zürcher Hochschule der Künste. Seine musikalischen Wurzeln hat er - natürlich - in der Kanti Wettingen.


© Aargauer Zeitung, Freitag, 20. April 2012

Junge Sänger zelebrieren Alte Musik

WETTINGEN Unter Daniel Pérez ist das Vocalino Wettingen ein vitaler Ehemaligen-Chor der Kantonsschule Wettingen geworden. Seit der Ãœbergabe des Dirigentenstocks von Stefan Müller an seinen Schüler Daniel Pérez weht ein frischer Wind durch die altehrwürdigen Proberäume des Klosters Wettingen: Vormals als semiprofessionelles Ensemble geführt, ist das Vocalino Wettingen seit Herbst ein vergrösserter Chor für fortgeschrittene Laien, mitunter ein Ehemaligenchor der Kanti Wettingen. Die meisten Mitglieder fanden nämlich ebenda ihre Begeisterung für Musik aus früheren Epochen; die gymnasiale Auseinandersetzung mit historischen Partituren findet im Vocalino eine Fortsetzung.

Leidenschaftliches Konzert

Seit seiner Gründung im Jahr 2005 zeichnet das Vocalino sein Interesse an Alter Musik aus, also an Werken aus Mittelalter, Renaissance und Barock. Das soll auch unter Daniel Pérez so bleiben. So stellt er in seinem Debütprogramm das Madrigal ins Zentrum - das erste mehrstimmige Musikstück mit weltlichen Text. Es erklingen Werke aus Italien, Spanien, Frankreich, Deutschland und England. Die Wesen der verschiedenen Sprachen wie die kompositorischen Eigenheiten der jeweiligen Schöpfer differenzieren den immer gleichen Inhalt: die Liebe in all ihren Facetten - vom verklärten Anhimmeln der Unerreichbaren über die Romantik der ungestörten Zweisamkeit bis zum Eifersuchtsmord. Zwischen Komik und Tragik, Freud und Leid - die Madrigale verweben Liebe und Schmerz zum leidenschaftlichen Lebensgang eines suchenden und bisweilen findenden Menschen. Untermalt mit feinsinnigen Lautenklängen, machen die jungen Sängerinnen und Sänger die Gefühlswelt im musikalischen Ausdruck verständlich.


© Aargauer Zeitung, Freitag, 20. April 2012

“In der Vokalmusik gibt es Perlen”

Nachgefragt bei Daniel Pérez (23), wohnhaft in Spreitenbach, ausgebildeter Bariton, studiert Gesangspädagogik und Dirigieren an der Zürcher Hochschule der Künste.

Wie sehen Sie Ihrem ersten Auftritt als Vocalino-Dirigent entgegen? Ich freue mich, mit diesem unglaublich vitalen Chor ein Fest der Musik zu feiern. Die intensiven Probearbeit trägt nun ihre Früchte. Aber ich habe auch grossen Respekt davor, das Erbe von Stefan Müller weiterzutragen. Was finden junge Menschen an Alter Musik? Die eindringlichen Affekte selbst Jahrhunderte alter Stücke können Menschen jeden Alters sehr schnell nachvollziehen, haben sie denn einmal den Zugang gefunden. Geschieht dies bereits in jungen Jahren, ist die Erfahrung umso bereichernder. Dafür setze ich mich als Dirigent ein. Was haben Sie mit dem Vocalino noch vor? Nebst der Alten Musik möchten wir generell unbekanntere Werke aufführen. In der Vokalmusik gibt es viele Perlen zu entdecken. Ich möchte zeigen, dass es noch etwas Anderes gibt als Bach und Mozart.


© Limmatwelle, Donnerstag, 19. April 2012

Fragen an Daniel Pérez

Sie haben den Chor von Stefan Müller übernommen. Da treten Sie in grosse Fussstapfen. Ja. Ich freue mich über das Vertrauen Stefan Müllers und des Chors. Einen derart vitalen und kompetenten Chor zu führen, ist eine grosse Ehre. Was ändert sich unter Ihnen im Vocalino Wettingen? Schon vieles ist passiert. Früher waren wir ein semiprofessionelles Ensemble, nun sind wir ein vergrösserter Chor für fortgeschrittene Laien. Wir treten neu auch als Ehemaligen-Chor der Kantonsschule Wettingen auf, da nach wie vor die meisten Mitglieder ihre musikalischen Wurzeln dort haben. Wir wollen uns noch deutlicher positionieren als einzigartiger junger Chor für Alte Musik. Weshalb Alte Musik? Auch wenn diese Musik Jahrhunderte alt ist - ihre eindringlichen Affekte bleiben zeitlos und universell. Diese dem Publikum stilgerecht und ergreifend zu vermitteln, ist eine Herkulesaufgabe, welche die Sängerinnen und Sänger des Vocalino bestens meistern. Wir wollen aber auch darüber hinaus wirken, nämlich generell unbekanntere Werke aufführen, aus allen Epochen. Was hört man am nächsten Konzert? Wir widmen uns dem Madrigal, dem ersten mehrstimmigen Lied mit weltlichen Text. Die Stücke werden a cappella oder mit Lautenbegleitung vorgetragen. Ergänzend gibt es auch Modernes zu hören. “Come, ye Sons of Art!” drückt unseren Geist sehr gut aus: Junge Menschen feiern Musik!


© Aargauer Zeitung, Donnerstag, 4. November 2010

Novum fürs Vocalino

WETTINGEN Das Ensemble führt anspruchsvolle Perlen des Barockmeisters Bach auf.

Seit nunmehr fünf Jahren setzt sich das Vokalensemble Vocalino Wettingen für die Pflege der Alten Musik ein. Mit dem neusten Projekt, Eingangssätzen aus Bachkantaten, geht das junge Ensemble in zweierlei Hinsicht aufs Ganze: bezogen auf die Literatur und die Aufführungspraxis. Schon lange beschäftigt sich der Dirigent Stefan Müller mit Bachkantaten, wobei er deren Ouvertüren stets am liebsten mochte: “Polyphonie, Textbezug der Musik, Instrument und Stimme werden zu einer auch heute noch berührenden Aussagekraft verdichtet”, so Stefan Müller. Und wie interpretiert er solch komplexe Werke? “Ich versuche, Gehalt und Ausdruck des jeweiligen Stücks sinngemäss darzustellen. Bei Bachkantaten geht es weniger um Virtuosität als um geistigen Gehalt.” Nicht nur intellektuell, sondern auch technisch ist die Literatur von “Actus Tragicus” bis “Brich dem Hungrigen dein Brot” anspruchsvoll. Die Chorsätze sind von einer instrumentalen Stimmführung, die vielfach chromatisch verläuft, mitunter in ungewohnter Harmonik. All dies stellt nicht nur die Laien im Ensemble vor eine grosse Herausforderung. Und dennoch, gerade mit dem Mix-Konzept sieht Stefan Müller das Vocalino Wettingen auf gutem Weg: “Das Zusammenwirken von Profis und Laien funktioniert sehr gut, die Stimmen verschmelzen zu einem harmonischen Ganzen.” Das Vocalino Wettingen, das sonst vorwiegend a cappella oder mit Orgelbegleitung singt, lässt sich bei den Bach-Ouvertüren erstmals von einem professionellen Ad-hoc-Orchester auf historischen Instrumenten begleiten. Ein erfolgreicher Spendenaufruf des Vereins lässt diesen Traum Realität werden. “Ein Projekt von dieser Grössenordnung ist für uns ein Novum”, freut sich Daniel Pérez, Vereinspräsident und Musikstudent.


© Aargauer Zeitung, Dienstag, 3. November 2009

Alles andere als verstaubt!

Auftritt des Wettinger Vokalensembles Vocalino in der reformierten Kirche Baden

Mit Claudio Monteverdi wurde man empfangen - mit Monteverdi wurde man an diesem Sonntagabend aus der reformierten Kirche Baden auch wieder entlassen. Und dazwischen erlebte man zusammen mit dem Vokalensemble Vocalino ein Programm voll von Musik aus Mittelalter und Renaissance, die - mit gutem Händchen ausgewählt, einstimmungsvolles und abwechslungsreiches Gesangsereignis bot. So fehlten weder Schütz noch Purcell und Dowlands liedhafte Stücke kamen genauso zum Zuge wie einige von Dufays komplexen Motetten.

Nicht nur für Kenner

Mittelalter, Renaissance? Ein Programm für Liebhaber - könnte man denken. Doch einmal mehr wurde man von der zugänglichen Schönheit und Direktheit dieser Musik gefesselt - nicht bloss für die Stube von Kennern also. Zu dieser offensichtlichen Erkenntnis trugen aber nebst dem Gehalt der Musik vor allem die Sänger und Sängerinnen des Ensembles Vocalino bei, die nämlich allesamt eher jugendlichen Charme als staubige Briefmarkenromantik ausstrahlten. Und so sangen sie auch, frisch und gekonnt. Der Klang, kein romantisch grosser, sondern ein schlicht durchsichtiger, erfüllte die Kirche optimal, wobei nie an Präzision, von der die Stücke grossenteils leben, eingebüsst wurde.

Expressiv mit Dissonanzen

Sowohl mit Orgelbegleitung (Jonas Herzog) als auch a cappella blieb es in der intonatorischen Balance und das Auskosten von sinnstiftenden Dissonanzen und expressiven Teilen fehlte zu keiner Zeit. Und diejenigen Stimmen aus dem Ensemble, die die solistischen Parts übernommen haben - die keineswegs einfach zu singen sind - sorgten noch für zusätzliche Momente funkelnder Farbigkeit.

Die stilgerechte Umsetzung seitens der jungen Musiker - Studenten wie Amateure - war beeindruckend, nicht zuletzt durch die differenzierte Leitung von STefan Müller, der das Ensemble sowohl vom Dirigierpult als auch vom Cembalo aus führte und zusammenhielt.

Ein gelungener musikalischer Abend, der dem Publikum die Vielfalt und Schönheit alter Vokalmusik näher brachte. Und mit der efrischenden Interpretation des “Vocalino” vermochte das Konzert jeglichen noch übrigen Staub aus den Ritzen zu blasen.


© Aargauer Zeitung, Mittwoch, 22. April 2009

Achttausender für einen Chor

Das junge Ensemble Vocalino ist seit kurzem ein Verein - in Fislisbach stellt es das neue Programm vor.

Sie sind jung, sie sind gut und wollen es künftig «noch etwas ernster» angehen: Die Mitglieder des semiprofessionellen Ensembles Vocalino haben einen Verein gegründet. Das neue Programm zeigt: Vocalino setzt sich ambitiöse Ziele.

Wer singt denn da? Und das am Ende der Woche, wenn die Klassenzimmer sich längst geleert haben? Nun, die Kantonsschule Wettingen kennt eben keinen Feierabend. Und schon gar nicht der prächtige, eine fabelhafte Akustik aufweisende Kapitelsaal. Für das mit 17 Sängerinnen und Sängern schlank besetzte Ensemble Vocalino und seinen Dirigenten Stefan Müller ist dieser Saal Heimat: Freitag um Freitag wird hier geprobt.

Derzeit feilt die eingeschworene Gemeinschaft von Chorsängern und Gesangsstudenten an einem Programm, das alles andere als von Pappe ist. Mit Vokalwerken von Bach - in die sich sein «Brandenburgisches Konzert Nr. 6» in einer Version für Orgel und Cembalo mit Stefan Müller und Jonas Herzog schiebt - sowie Machauts «Messe de Nostre Dame» greift Vocalino nach den Sternen. «Tristis est anima mea» heisst sein neues Programm, das gleichsam «Unterfütterung» der kürzlich erfolgten Vereinsgründung ist. Vocalino gibt es nämlich bereits seit 2005, «doch jetzt wollen wir das Ganze etwas ernster nehmen», sagt Matthias Steimer, Bass und Aktuar des Vereins, mit einem Lächeln.

Ernster bedeutet, dass das gemischte, semiprofessionelle Ensemble regelmässiger als bis anhin konzertieren will - zwei grosse Konzerte pro Jahr sollen es sein. Seine zwischen 20 und 25 Jahre alten Mitglieder stammen alle aus der Umgebung von Wettingen. Ihrer Liebe zum Gesang frönten sie bereits in Kanti-Zeiten - kein Wunder, wollen sie diese auch künftig ausleben. «Das Schöne ist, dass unser Ensemble nicht gross ist, also können wir uns gegenseitig wirklich hören. Als schön empfinden wir auch, wie sehr wir den Klang gestalten können», betont Steimer. Mut zeichnet den klein besetzten Chor aus: Mit seinem Dirigenten Stefan Müller erprobt es sich an einem weitgespannten Repertoire vom Mittelalter über den Barock bis zum 21. Jahrhundert.

Ob beispielsweise Werke von Monteverdi, Schütz, Bach, Britten oder Strawinsky - Vocalino stellt sich jeder künstlerischen und stilistischen Herausforderung. Am kommenden Wochenende wagt sich das Ensemble an einen Achttausender der Chorliteratur, Guillaume de Machauts «Messe de Nostre Dame». «Wenn man da keine Gänsehaut bekommt …», redet sich Matthias Steimer ins Feuer und schwärmt: «Die Quinten sind in der an Dissonanzen reichen Machaut-Messe ein einziges Aha-Erlebnis.»

Tatsächlich gilt die «Messe de Nostre Dame» aus dem 14. Jahrhundert als Werk mit überragender musikgeschichtlicher Bedeutung. «Es befindet sich an einem Wendepunkt der abendländischen Musikgeschichte: die Entdeckung der Mehrstimmigkeit führt zu einer explosionsartigen Entwicklung des Tonsatzes», bringt es Steimer auf den Punkt.


© Aargauer Zeitung, Dienstag, 27. März 2007

Vergänglichkeit und Auferstehung

FISLISBACH Ein Passions-Konzert auf hohem Niveau, die beiden Chöre Vocalino und Kantorei im Limmattal haben begeistert.

Die Chöre Vocalino und Kantorei im Limmattal, beide unter der Leitung von Stefan Müller, gastierten am Sonntagabend in der katholischen Kirche Fislisbach und begeisterten die Konzertbesucher mit geistlicher Musik von H. Schütz, J. Brahms und Igor Strawinsky, gleichsam ein «musikalisches Tryptichon», das sich über die formale Verwandtschaft definierte. Die Werkauswahl stand ganz im Zeichen des Leidens, des Sterbens, liess aber auch die österliche Hoffnung und Zuversicht aufkeimen. Begleitet wurden die Sängerinnen und Sänger von elf kompetenten Instrumentalisten sowie dem Organisten Jonas Herzog, der die Epochenwechsel mit zwei Sätzen aus «Herzlich tut mich verlangen» von J. Brahms äusserst subtil gestaltete.

Erstaunlich differenziert

Zum Auftakt erklang der Doppelchor «Aus der Tiefe» von H. Schütz. Im brillanten Zwiegespräch kommunizierten die beiden Stimmkörper von der Empore und im Chor, präzise, einfühlsam und mit sicherer Intonation. Intensiven Hörgenuss bescherten auch Kompositionen wie «Die mit Tränen säen» und der sechsstimmige Satz «Selig sind die Toten», der vom Vokalensemble Vocalino mit erstaunlicher Differenziertheit gestaltet wurde. Brahms romantische Tonsprache, die sich an früheren Vorbildern wie Schütz orientiert, ist voller Intensität, Farbigkeit und wechselnden Affekten, die der Chor dynamisch behutsam und wirkungsvoll gestaltete. Die beiden Werke «Wenn wir in höchsten Nöten sein» und der Begräbnisgesang, op. 13», seinem Freund Robert Schumann zugedacht, liessen die Zuhörer sowohl die Vergänglichkeit des irdischen Daseins wie die Auferstehung förmlich hautnah nachempfinden.

Homogen und transparent

Igor Strawinskys «Messe», die durch ihren hohen Dissonanzgrad und Schwermütigkeit durchaus in die Nähe der Passion gerückt werden kann, weist strukturelle Ähnlichkeiten mit H.-Schütz-Kompositionen auf. Der Komponist lässt sich von mittelalterlich und orthodox geprägten Figuren inspirieren. Die unterschiedlichen Charaktere der fünf Ordinariumsteile gestaltete der Chor mit wechselnder Registrierung ausgesprochen homogen und transparent. Er wusste sämtliche expressive Nuancen mit der gebotenen Schlichtheit oder expressiven Intensität zu interpretieren. Tabea Herzog und Dino Lüthi meisterten ihren anspruchsvollen Solistenpart mit bemerkenswerter Sicherheit.


© Aargauer Zeitung, Dienstag, 21. März 2006

Vocalino vereinte Renaissance und Barock

EHRENDINGEN Ensemble der Kantorei im Limmattal mit einem Messemosaik und der «Hymn to the virgin».

Das Man nehme ein Kyrie von Desprez, ein Gloria von Hassler, ein Sanctus von Kerll, ein Benedictus sowie Hosanna von Palestrina und schliesslich ein Agnus von Byrd, füge diese Auswahl von Renaissance- und Barockwerken zu einem Messezyklus zusammen und horche der akustischen Wirkung. Die Stilwechsel rissen einen hin und her und liessen den Zuhörer alsbald in einer interepochalen Klangfülle schweben.

Vielfalt wird zur Einheit

Der seriöse Auftritt lässt auf intensive Proben schliessen, wie man sich dies von Stefan Müller als Chorleiter gewohnt ist. Beim Kyrie meisterte das elfköpfige Ensemble die rhythmischen Schwierigkeiten ohne Probleme, die Synkopen beim Gloria sassen und die Intonation überzeugte nicht zuletzt dank eines starken Basses, der ein solides Fundament legte. Die Idee des Programmkonzeptes sei es gewesen, die stilistische Vielfalt von Renaissance bis Barock zu zeigen, so Stefan Müller. «Die strenge Messeform führt diese Vielfalt aber doch zu einer Einheit zusammen.» Zwischen den Messesätzen spielte Gaudenz Tscharner die entsprechenden Sätze aus den «Fiori musicali» von Frescobaldi auf der Orgel. Sehr modern ertönte vonseiten der Orgel die «Hommage à Frescobaldi» von Jean Langlais, da auch geschickt Register gezogen wurden. In Benjamin Brittens «Hymn to the virgin» stellten die jungen Stimmen, notabene immerzu a cappella, ihre Fähigkeit zur Dynamik sowie zur reinen Intonation – selbst in der modern-tonalen Tonsprache – noch einmal eindrücklich unter Beweis. Das dynamische Tongerüst, ob filigran oder massiv, rührte bis zum Stadium Gänsehaut.